Was ist Borosilikatglas? Vorteile bei Auflaufformen und Backformen

Was ist Borosilikatglas? Vorteile bei Auflaufformen und Backformen

Auf immer mehr Auflaufformen steht "Borosilikatglas" - aber was unterscheidet es von normalem Glas, und lohnt sich der Aufpreis wirklich? Wir erklären das Material, seine Stärken und Schwächen im Ofen und woran Sie erkennen, welches Glas Sie zu Hause haben.

Inhaltsverzeichnis

"Aus hitzebeständigem Borosilikatglas" - dieser Satz steht heute auf fast jeder besseren Glas-Auflaufform, auf Teekannen, Vorratsdosen und Trinkflaschen. Klingt nach Labor, und das ist kein Zufall: Genau dort kommt das Material her. Aber was bedeutet der Begriff eigentlich, warum übersteht dieses Glas Temperatursprünge, an denen normales Glas zerspringt, und was hat man als Hobbykoch konkret davon, wenn die Lasagneform aus Borosilikat statt aus gewöhnlichem Glas ist?

In diesem Beitrag erklären wir das Material ohne Chemiestudium, vergleichen es mit den anderen Glasarten und Materialien, die in Auflaufformen stecken, und gehen ehrlich auf die Nachteile ein - denn perfekt ist auch Borosilikatglas nicht.

Was ist Borosilikatglas? Die kurze Erklärung

Borosilikatglas ist Glas, dem bei der Herstellung ein hoher Anteil Bortrioxid beigemischt wird - meist zwischen 7 und 13 Prozent. Der Rest ist wie bei jedem Glas überwiegend Quarzsand (Siliciumdioxid), dazu kleine Mengen Natrium- und Aluminiumoxid. Diese Rezeptur verändert eine einzige Eigenschaft grundlegend: Das Glas dehnt sich bei Erwärmung nur etwa ein Drittel so stark aus wie gewöhnliches Glas.

Das klingt nach einem Detail, entscheidet aber über alles. Wenn eine Glasform in den heißen Ofen kommt, erwärmt sich die Außenseite schneller als das Innere. Die heiße Schicht will sich ausdehnen, die kalte Schicht hält dagegen - im Glas entsteht Spannung. Bei normalem Glas reicht diese Spannung schnell aus, um einen Riss zu erzeugen. Borosilikatglas dehnt sich so wenig aus, dass die Spannung klein bleibt. Deshalb verträgt es Temperaturunterschiede von rund 100 bis 150 °C innerhalb des Glases, ohne Schaden zu nehmen. Normales Glas gibt oft schon bei 40 bis 60 °C Unterschied auf.

Entwickelt wurde das Material 1893 von Otto Schott in Jena, zunächst für Laborglas und Thermometer. Unter dem Namen Jenaer Glas kam es Anfang des 20. Jahrhunderts in deutsche Küchen, in den USA machte Pyrex das Material bekannt, und in der Türkei wurde die Borcam-Serie von Pasabahce zum Inbegriff der Glas-Auflaufform. Chemisch steckt in allen drei dasselbe Prinzip.

Borosilikatglas, gehärtetes Glas, normales Glas: Die drei Glasarten in der Küche

Wer "Glas-Auflaufform" hört, denkt an ein Material. Tatsächlich stecken in den Formen im Handel drei verschiedene Gläser, die sich im Ofen sehr unterschiedlich verhalten:

Eigenschaft Borosilikatglas Gehärtetes Kalk-Natron-Glas Normales Kalk-Natron-Glas
Zusammensetzung Quarzsand + Bortrioxid Quarzsand + Soda + Kalk, thermisch vorgespannt Quarzsand + Soda + Kalk
Wärmeausdehnung sehr gering (ca. 3,3 · 10⁻⁶/K) hoch (ca. 9 · 10⁻⁶/K) hoch (ca. 9 · 10⁻⁶/K)
Temperaturschock-Beständigkeit ca. 100-150 °C Differenz ca. 50-70 °C Differenz (durch Vorspannung) ca. 30-40 °C Differenz
Max. Ofentemperatur bis 300 °C meist bis 200-250 °C nicht ofengeeignet
Gefrierfach bis -40 °C meist bis -20 °C bedingt
Kühlschrank direkt in den Ofen ja riskant nein
Bruchbild wenige große Scherben zerspringt in viele kleine Stücke große Scherben
Typische Verwendung Auflaufformen, Teekannen, Laborglas günstige Auflaufformen, Schüsseln Trinkgläser, Flaschen, Fenster

Die wichtige Erkenntnis: Gehärtetes Glas und Borosilikatglas lösen dasselbe Problem auf zwei verschiedene Arten. Gehärtetes Glas ist normales Glas, das durch schnelles Abkühlen unter Spannung gesetzt wird - dadurch wird es schlagfester und verträgt etwas mehr Hitze, das Material selbst dehnt sich aber weiterhin stark aus. Borosilikatglas ist von Grund auf anders zusammengesetzt. Deshalb kann eine gehärtete Form im Ofen durchaus funktionieren, springt aber eher, wenn man sie kalt in den heißen Ofen stellt oder heiß auf eine nasse Arbeitsplatte.

Woran erkenne ich, welches Glas meine Auflaufform ist?

Mit bloßem Auge leider gar nicht - beide Gläser sind klar, ähnlich schwer und fühlen sich gleich an. Drei Anhaltspunkte helfen trotzdem:

  • Die Bezeichnung. Borosilikatglas ist teurer in der Herstellung, deshalb schreiben Hersteller es fast immer drauf - am Boden der Form, auf der Verpackung oder in der Produktbeschreibung. Steht nur "hitzebeständiges Glas" oder "gehärtetes Glas" da, ist es in aller Regel Kalk-Natron-Glas.
  • Die Temperaturangaben. "Bis 300 °C" und "bis -40 °C" sind typische Borosilikat-Werte. Gehärtetes Glas wird meist mit 200-250 °C und -20 °C angegeben.
  • Der Farbstich. Hält man beide Gläser gegen weißes Licht, wirkt Kalk-Natron-Glas an dicken Stellen leicht grünlich, Borosilikatglas eher neutral bis minimal bläulich. Das ist ein Hinweis, kein Beweis.

Vorteile von Borosilikatglas bei Auflaufformen und Backformen
Die Vorteile von Borosilikatglas bei Auflaufformen und Backformen

Alle Vorteile lassen sich auf die geringe Wärmeausdehnung und die chemische Stabilität des Glases zurückführen. In der Küche bedeuten sie im Einzelnen:

  • Vom Kühlschrank direkt in den Ofen. Der praktische Hauptvorteil. Lasagne am Vorabend schichten, über Nacht kalt stellen, am nächsten Tag direkt in den vorgeheizten Ofen. Bei normalem Glas ist das der klassische Moment, in dem die Form reißt.
  • Backen, servieren, aufbewahren in einer Form. Keine Umfüllerei: Das Gericht kommt in der Form auf den Tisch, die Reste wandern mit Deckel in den Kühlschrank und werden in derselben Form in der Mikrowelle aufgewärmt.
  • Sichtkontrolle. Ob der Boden des Gratins schon Farbe hat, sieht man durch das Glas, ohne den Ofen zu öffnen. Bei Keramik und Metall bleibt das Raten.
  • Absolut geschmacksneutral. Glas nimmt keine Gerüche an und gibt nichts ab - auch nicht bei säurehaltigen Gerichten wie Tomatensoße oder Zitronenhähnchen, die Metall und beschädigte Emaille angreifen können. Kein BPA, keine Beschichtung, die sich abnutzt.
  • Hitzebeständig bis 300 °C. Mehr, als ein Haushaltsofen liefert. Auch die Pizzastufe ist kein Problem.
  • Gefrierfest bis -40 °C. Vorgekochte Portionen lassen sich in der Form einfrieren.
  • Spülmaschinenfest und langlebig. Keine Beschichtung, die sich löst, keine Glasur, die Risse bekommt. Eine gut behandelte Borosilikatform hält Jahrzehnte.
  • Gleichmäßige Wärmeverteilung. Glas speichert Wärme und gibt sie langsam ab - Aufläufe garen gleichmäßig durch, und das Gericht bleibt auf dem Tisch länger heiß.

Die Nachteile - ehrlich betrachtet

Kein Material ist für alles gemacht, und es gibt Situationen, in denen Metall oder Keramik die bessere Wahl bleiben:

  • Nicht für die Herdplatte. Borosilikatglas verträgt gleichmäßige Ofenhitze, aber keine punktuelle Hitze von unten. Anbraten in der Form und dann in den Ofen - das geht mit einem Edelstahl- oder Gussbräter, nicht mit Glas.
  • Glas leitet Wärme langsam. Eine Glasform braucht länger, bis sie die Ofentemperatur erreicht. Bei Backwaren mit kurzer Backzeit (Kekse, dünne Blechkuchen) ist Metall im Vorteil, weil der Boden schneller Farbe bekommt.
  • Kruste am Rand. Weil Glas Wärme speichert, backen die Ränder bei Kuchen und Brownies dunkler als in Metall. Die gängige Empfehlung: Ofentemperatur um 10-15 °C senken oder die Backzeit etwas verkürzen.
  • Nicht unzerbrechlich. Der Temperaturschock ist nicht mehr das Problem - der Sturz auf den Fliesenboden schon. Kanten und Ecken sind empfindlich gegen Stöße.
  • Preis. Borosilikatformen kosten in der Regel mehr als gehärtete Glasformen. Der Aufpreis ist bei Marken wie Pasabahce Borcam allerdings moderat - bei Premium-Marken deutlich höher.

Borosilikatglas im Vergleich mit Keramik und Metall

Die Frage nach der besten Auflaufform hängt vom Gericht ab. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die drei gängigen Materialien im Ofen verhalten:

Kriterium Borosilikatglas Keramik / Steingut Edelstahl / Emaille
Aufheizverhalten langsam, speichert Wärme langsam, speichert Wärme schnell, speichert wenig
Bräunung am Boden gleichmäßig, eher sanft gleichmäßig, sanft kräftig, schnell
Kühlschrank in den Ofen ja meist nein ja
Herdplatte / Anbraten nein nein ja
Mikrowelle ja ja nein
Säurehaltige Gerichte unproblematisch unproblematisch bei intakter Glasur Emaille ja, unbeschichtetes Metall bedingt
Warmhalten auf dem Tisch sehr gut sehr gut schlecht
Gewicht mittel schwer leicht
Ideal für Aufläufe, Gratins, Lasagne, Desserts, Reste Gratins, Schmorgerichte, Tischpräsentation Braten, Kuchen mit kurzer Backzeit, Ofengemüse mit Röstaromen

Für die meisten Alltagsgerichte - Nudelauflauf, Kartoffelgratin, Lasagne, Ofenreis, Milchreis - ist Borosilikatglas die praktischste Wahl, gerade wegen des Kreislaufs aus Vorbereiten, Backen, Servieren und Aufbewahren. Wer regelmäßig Braten mit Anbraten macht oder Kekse backt, braucht zusätzlich Metall. Ausführlich haben wir das Thema Material, Größe und Form im Beitrag Auflaufform wählen beschrieben. Eine Auswahl aus beiden Welten finden Sie in unserer Kategorie Auflaufformen.

Borosilikatglas richtig behandeln: 5 Regeln

Borosilikatglas ist deutlich robuster als normales Glas, aber die wenigen Brüche, die passieren, haben fast immer eine der folgenden Ursachen (ausführlich im Beitrag Kann Glas in den Backofen?):

  1. Keine Extremsprünge. Kühlschrank in den Ofen: ja. Gefrierfach bei -18 °C direkt in den 250 °C heißen Ofen: lieber 20 Minuten antauen lassen. Die 100-150 °C Toleranz sind viel, aber nicht unendlich.
  2. Heiße Form auf Holz, Kork oder ein Tuch stellen - nicht auf Stein, Metall oder in die nasse Spüle.
  3. Kein kaltes Wasser in die heiße Form. Erst abkühlen lassen, dann einweichen.
  4. Nicht leer erhitzen und keine Grillstufe direkt über dem Glas. Etwas Flüssigkeit oder Fett am Boden verteilt die Hitze.
  5. Kratzer vermeiden. Metallschwämme und Messer in der Form erzeugen Mikrorisse, an denen das Glas später bei Hitze reißen kann.

Welche Auflaufformen aus Borosilikatglas gibt es?

Das Angebot reicht von Einzelformen bis zu Sets. Sinnvoll für den Start sind zwei Größen - eine mittlere um 2,5 Liter für 2-4 Personen und eine große um 4 Liter für Gäste -, gerne ergänzt um eine Form mit Deckel für Reste. Bei uns finden Sie diese Kombinationen vor allem in der Borcam-Serie von Pasabahce: rechteckige und quadratische Formen, ovale Bräter, runde Sets und die Bake&Keep-Linie mit Kunststoffdeckel (was der Deckel darf und was nicht, steht im Beitrag Auflaufform mit Deckel). Alle Formen sind aus Borosilikatglas, bis 300 °C ofenfest und bis -40 °C gefrierfest.

Fazit

Borosilikatglas ist normales Glas mit einem entscheidenden Zusatz: Bortrioxid, das die Wärmeausdehnung auf ein Drittel senkt. Daraus folgt alles, was das Material in der Küche wertvoll macht - der Weg vom Kühlschrank in den Ofen, die Ofenfestigkeit bis 300 °C, die Gefrierfestigkeit und die Langlebigkeit ohne Beschichtung. Wer eine Glasform kauft, sollte deshalb nicht auf "hitzebeständig" achten, sondern auf das Wort "Borosilikat". Und wer weiß, dass Glas Wärme langsam aufnimmt und am Rand kräftiger bräunt, holt mit einer kleinen Temperaturkorrektur das Beste aus jeder Form heraus.

Weiterlesen

Die bekannteste Borosilikat-Serie für die Küche stellen wir im Beitrag Was ist Borcam? vor. Wie Sie eine Glasform im Alltag richtig nutzen, steht in Kann Glas in den Backofen? und in Auflaufform mit Deckel. Die passende Größe und Form finden Sie im Ratgeber Auflaufform wählen.

Häufige Fragen zu Borosilikatglas

Ist Borosilikatglas dasselbe wie hitzebeständiges Glas?

Nicht unbedingt. "Hitzebeständig" ist keine geschützte Bezeichnung und steht oft auch auf gehärtetem Kalk-Natron-Glas, das Ofenhitze verträgt, aber bei Temperaturschocks springen kann. Borosilikatglas ist eine eigene Glasart mit Bortrioxid, die sich bei Hitze nur etwa ein Drittel so stark ausdehnt und deshalb den Wechsel vom Kühlschrank in den Ofen übersteht.

Wie heiß darf eine Auflaufform aus Borosilikatglas werden?

In der Regel bis 300 °C - mehr, als ein Haushaltsofen erreicht. Im Gefrierfach sind bis -40 °C möglich. Nicht geeignet ist das Material für Herdplatten, Gasflammen und Induktion, weil punktuelle Hitze von unten das Glas trotz seiner Beständigkeit reißen lassen kann.

Kann ich eine Borosilikatglas-Form direkt aus dem Kühlschrank in den Ofen stellen?

Ja, das ist der Hauptvorteil des Materials. Aus dem Gefrierfach sollte man die Form dagegen 15-20 Minuten antauen lassen, bevor sie in den vorgeheizten Ofen kommt - die Differenz zwischen -18 °C und 250 °C liegt über der Belastungsgrenze.

Muss ich beim Backen in Glas die Temperatur anpassen?

Bei Kuchen und Brownies empfiehlt es sich, die Ofentemperatur um 10-15 °C zu senken oder die Backzeit leicht zu verkürzen, weil Glas Wärme speichert und die Ränder stärker bräunt als Metall. Bei Aufläufen und Gratins ist keine Anpassung nötig.

Ist Borosilikatglas gesundheitlich unbedenklich?

Ja. Borosilikatglas ist chemisch sehr stabil, gibt keine Stoffe an Lebensmittel ab, nimmt keine Gerüche an und enthält weder BPA noch Weichmacher oder Beschichtungen. Es wird aus diesem Grund auch für Laborglas und pharmazeutische Verpackungen verwendet.

Woran erkenne ich Borosilikatglas?

Mit bloßem Auge kaum. Verlässlich ist die Herstellerangabe am Boden, auf der Verpackung oder in der Produktbeschreibung. Temperaturangaben von 300 °C und -40 °C sind ein starker Hinweis auf Borosilikat; 200-250 °C und -20 °C deuten auf gehärtetes Kalk-Natron-Glas.

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden vor dem Veröffentlichen geprüft.

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.

Kostenloser Versand

Kostenlose Lieferung für alle Bestellungen.