Wer in einer türkischen Küche nach einer Auflaufform fragt, bekommt selten das Wort "Auflaufform" zu hören. Man sagt einfach Borcam. Das gilt für die Lasagneform, für die runde Kuchenform, für den Glasbehälter mit Deckel im Kühlschrank - für alles, was aus dickem, klarem Glas ist und in den Ofen darf. Auch in Deutschland taucht der Name auf Verpackungen, in Online-Shops und in Gesprächen auf, ohne dass klar wäre, was genau er bezeichnet. Ist Borcam eine Marke? Ein Material? Eine Produktserie? Die Antwort ist: alles drei, und genau das macht den Begriff so interessant.
In diesem Beitrag erklären wir, woher das Wort kommt, wer dahintersteht, was Borcam-Glas von anderen Auflaufformen unterscheidet und warum sich der Name in der Türkei zu einem Gattungsbegriff entwickelt hat - so wie "Tempo" für Taschentücher oder "Tesa" für Klebeband.
Borcam: Was das Wort eigentlich bedeutet
Der Name ist türkisch und setzt sich aus zwei Teilen zusammen: bor (Bor, das chemische Element) und cam (Glas, gesprochen "dscham"). Borcam heißt also wörtlich "Borglas" - und beschreibt damit ziemlich genau, worum es geht: Glas, dem bei der Herstellung Boroxid beigemischt wird. Chemisch spricht man von Borosilikatglas.
Dieser Zusatz ist der Grund, warum Borcam-Formen im Backofen, in der Mikrowelle und im Gefrierfach funktionieren. Boroxid senkt die Wärmeausdehnung des Glases deutlich. Normales Glas dehnt sich bei Hitze stärker aus und reißt, wenn eine Seite heiß und die andere kalt ist. Borosilikatglas bleibt bei solchen Temperatursprüngen stabil. Das gleiche Prinzip kennt man aus dem Labor - Reagenzgläser und Messkolben sind fast immer aus Borosilikatglas - und aus Deutschland unter dem Namen Jenaer Glas, das Ende des 19. Jahrhunderts von Otto Schott in Jena entwickelt wurde.
Wer stellt Borcam her? Die Marke hinter dem Namen
Borcam ist keine eigenständige Firma, sondern eine Produktserie von Pasabahce, dem Glasgeschirr-Hersteller der türkischen Sisecam-Gruppe. Pasabahce wurde 1935 im gleichnamigen Istanbuler Stadtteil gegründet und gehört heute zu den größten Glasherstellern der Welt. Die meisten kennen die Marke von Teegläsern, Wassergläsern oder den Serien Timeless und Elysia - Borcam ist der Teil des Sortiments, der für den Ofen gemacht ist.
Die Geschichte der Serie ist älter, als viele vermuten. Sisecam begann Ende der 1960er Jahre in Istanbul mit der Produktion von hitzebeständigem Borosilikatglas, zunächst für Laborglas und Haushaltsartikel. In den 1970er Jahren kamen maschinell gefertigte Teekannen und Gläser aus Borosilikatglas dazu. Die klassischen Auflaufformen, wie man sie heute kennt, wurden ab Mitte der 1980er Jahre in Serie produziert - anfangs auf einer einzigen Pressmaschine, später in großem Maßstab. Seitdem hat sich das Sortiment ständig erweitert: rechteckige und quadratische Formen, ovale Bräter, runde Kuchenformen, Mini-Förmchen für Desserts, Sets mit Deckel und die neuere Bake&Keep-Linie mit Kunststoffdeckeln zum Aufbewahren.
Alle originalen Borcam-Produkte werden in der Türkei gefertigt und tragen den Schriftzug am Boden oder Rand der Form. In Deutschland vertreibt Pasabahce die Serie über eine eigene Niederlassung sowie über Fachhändler und Online-Shops - die komplette Auswahl bei uns finden Sie in der Kategorie Borcam Auflaufformen.

Warum Borcam zum Gattungsnamen wurde
Hier wird es sprachlich spannend. Als Pasabahce die Serie einführte, gab es in der Türkei praktisch keine Konkurrenz für hitzebeständiges Glasgeschirr. Über Jahrzehnte war jede Glas-Auflaufform, die man kaufen konnte, eine Borcam. Der Name blieb an der Produktgattung hängen - und zwar so fest, dass er heute in türkischen Wörterbüchern als allgemeiner Begriff für "ofenfestes Glasgeschirr" steht.
In der Praxis bedeutet das: Wer auf Türkisch "Borcam" sagt, meint nicht unbedingt ein Produkt von Pasabahce. Er meint eine Glasform, die in den Ofen darf. Rezepte auf türkischen Kochseiten heißen "Borcamda Kek" (Kuchen in der Glasform) oder "Borcamda Fırın Sütlaç" (Milchreis aus dem Ofen), Marktplätze führen Kategorien namens Borcam, in denen auch Formen anderer Hersteller liegen. Das ist derselbe Mechanismus, den man im Deutschen von Tempo, Tesa, Uhu oder Flex kennt - eine Marke wird so dominant, dass sie den Namen der ganzen Warengruppe ersetzt.
Für Deutschland heißt das zweierlei. Erstens: Wenn jemand aus einer türkischen Familie "die Borcam" sagt, ist damit einfach die Glas-Auflaufform gemeint. Zweitens: Wer gezielt das Original sucht, sollte auf den Schriftzug "Borcam" oder "Pasabahce" am Produkt achten, denn nicht jede als Borcam angebotene Form stammt tatsächlich von Pasabahce.
Borcam im Vergleich: Was das Glas von anderen Auflaufformen unterscheidet
Der eigentliche Unterschied zwischen Borcam und einer beliebigen Glasform aus dem Discounter steckt im Material. Viele günstige Glas-Auflaufformen bestehen aus gehärtetem Kalk-Natron-Glas - dem gleichen Glas wie Trinkgläser, nur thermisch nachbehandelt. Das hält Ofenhitze aus, verträgt aber keine schnellen Temperaturwechsel. Borosilikatglas verhält sich hier grundlegend anders.
| Eigenschaft | Borcam (Borosilikatglas) | Gehärtetes Kalk-Natron-Glas | Keramik / Steingut | Metall (Edelstahl, Emaille) |
|---|---|---|---|---|
| Max. Ofentemperatur | bis 300 °C | meist bis 200-250 °C | je nach Glasur bis 250 °C | über 300 °C |
| Gefrierfach | bis -40 °C | eingeschränkt | nur teilweise | ja |
| Temperaturschock | sehr unempfindlich | empfindlich - kann springen | empfindlich | unempfindlich |
| Mikrowelle | ja | ja | ja | nein |
| Sichtkontrolle beim Garen | ja, transparent | ja, transparent | nein | nein |
| Geschmacksneutral | vollständig | vollständig | ja, bei intakter Glasur | Emaille ja, Edelstahl meist |
| Direkt auf die Herdplatte | nein | nein | nein | ja |
| Gewicht | mittel | mittel | schwer | leicht |
Die Temperaturangaben sind Herstellerwerte und gelten für langsames Aufheizen im Ofen. Der wichtigste Punkt in der Tabelle ist die Zeile "Temperaturschock": Eine Borcam-Form kann aus dem Kühlschrank in den vorgeheizten Ofen wandern, ohne Schaden zu nehmen. Bei einer einfachen Glasform ist das der klassische Moment, in dem sie reißt. Trotzdem gilt auch für Borosilikatglas: Extreme Sprünge - direkt aus dem Gefrierfach bei -18 °C in den 250 °C heißen Ofen oder kaltes Wasser in die heiße Form - sollte man vermeiden. Das Glas verzeiht viel, aber nicht alles.
Welche Borcam-Formen gibt es?
Das Sortiment ist über die Jahre breit geworden. Für die Küche zu Hause lassen sich die Modelle grob in fünf Gruppen einteilen:
| Form | Typische Größen | Wofür sie sich eignet |
|---|---|---|
| Rechteckig | ca. 2 L, 3 L, 4 L | Lasagne, Nudelauflauf, Kartoffelgratin, Blechkuchen - die Allround-Form |
| Quadratisch | ca. 2 L, 3,2 L, 4,1 L | Brownies, Ofengemüse, kleinere Aufläufe für 2-4 Personen |
| Oval | ca. 2,75 L | Fisch, Hähnchenschenkel, Gratins, die direkt auf den Tisch kommen |
| Rund | ca. 0,8-2,1 L, oft als 3-tlg. Set | Kuchen, Quiche, Milchreis, Desserts, Beilagen |
| Bake&Keep mit Deckel | ca. 1,95 L, 2 L, 3,2 L | Backen, abkühlen lassen, Deckel drauf, in den Kühlschrank - ohne Umfüllen |
Wer neu anfängt, fährt mit einem Set aus zwei Größen meist am besten: eine mittlere Form um 2,5 Liter für den Alltag und eine große um 4 Liter für Gäste. Die Formen stapeln ineinander und decken fast alle Ofengerichte ab. Ausführlich haben wir das im Beitrag Auflaufform wählen: Material, Größe und Form beschrieben. Wer nach Alternativen aus Keramik oder anderen Marken sucht, findet den Überblick in der Kategorie Auflaufformen.
Ein Hinweis zu den Deckeln: Die Glasdeckel der klassischen Sets sind selbst Borosilikatglas und dürfen mit in den Ofen - viele nutzen sie sogar als flache zweite Form. Die farbigen Kunststoffdeckel der Bake&Keep-Linie sind dagegen nur zum Aufbewahren gedacht und gehören weder in den Ofen noch in die Mikrowelle.
Borcam richtig benutzen: 6 Regeln, die jede Form länger leben lassen
Borosilikatglas ist robust, aber nicht unzerstörbar. Die meisten Schäden entstehen nicht im Ofen, sondern durch Handhabungsfehler drumherum.
- Nie auf die Herdplatte oder offene Flamme. Borcam ist für den Ofen gemacht, nicht für Gas- oder Induktionsfelder. Punktuelle Hitze von unten bringt selbst Borosilikatglas zum Reißen.
- Heiße Form auf ein Holzbrett oder Tuch stellen, nicht auf eine kalte Steinplatte oder in die Spüle.
- Kein kaltes Wasser in die heiße Form. Erst abkühlen lassen, dann einweichen.
- Nicht leer in den heißen Ofen. Ohne Inhalt heizt sich das Glas ungleichmäßig auf. Ein wenig Flüssigkeit oder Fett am Boden reicht.
- Grillfunktion mit Vorsicht. Oberhitze direkt über dem Glas kann zu heiß werden - Abstand halten, Grillstufe kurz einsetzen.
- Kratzer vermeiden. Metallschwämme und scharfe Messer in der Form hinterlassen Mikrorisse, die später zum Bruch führen können. Spülmaschine ist kein Problem.

Borcam, Pyrex, Jenaer Glas: Wo ist der Unterschied?
Diese Frage kommt oft, weil alle drei Namen für hitzebeständiges Glasgeschirr stehen. Tatsächlich handelt es sich in allen Fällen um denselben Grundstoff - Borosilikatglas, das in Europa Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Jenaer Glas ist der deutsche Klassiker aus Jena, Pyrex ursprünglich eine amerikanische Marke, die in Europa von einem französischen Hersteller produziert wird, und Borcam ist die türkische Antwort darauf. Alle drei sind in ihren Heimatmärkten zum Gattungsbegriff geworden.
In der Praxis unterscheiden sich die Formen weniger im Material als in Design, Sortimentstiefe und Preis. Borcam ist in der Regel deutlich günstiger als die beiden europäischen Marken und bietet mit den Sets und der Bake&Keep-Linie ein Sortiment, das stark auf den Alltag ausgelegt ist. Wer eine Auflaufform sucht, die er täglich benutzt und nicht schonen will, macht mit Borcam nichts falsch. Die Serie gehört bei Pasabahce genauso zum Kern des Sortiments wie die bekannten Gläser - einen Überblick über die Marke finden Sie in unserer Kategorie Pasabahce.
Fazit: Was Borcam wirklich ist
Borcam ist drei Dinge auf einmal: ein türkisches Wort für Borglas, eine Produktserie von Pasabahce und ein Gattungsname, der sich über Jahrzehnte in der türkischen Alltagssprache festgesetzt hat. Wer den Namen im Küchenschrank der Nachbarn oder in einem Rezept liest, weiß jetzt: Gemeint ist eine Auflaufform aus Borosilikatglas, die Ofen, Mikrowelle, Kühlschrank und Spülmaschine übersteht und Temperaturwechsel besser wegsteckt als einfaches Glas. Und wer das Original will, achtet auf den Schriftzug am Boden.
Häufige Fragen zu Borcam
Ist Borcam eine Marke oder ein Material?
Beides. Borcam ist der Name einer Produktserie von Pasabahce, bezeichnet aber gleichzeitig das Material Borosilikatglas ("bor" = Bor, "cam" = Glas). In der Türkei wird das Wort außerdem als allgemeiner Begriff für jede hitzebeständige Glas-Auflaufform verwendet.
Wer stellt Borcam her?
Borcam wird von Pasabahce produziert, der Glasgeschirr-Marke der türkischen Sisecam-Gruppe. Die Fertigung findet in der Türkei statt. Originalprodukte tragen den Schriftzug "Borcam" oder "Pasabahce" am Boden oder Rand.
Wie heiß darf eine Borcam-Form werden?
Laut Hersteller sind Borcam-Formen bis 300 °C backofenfest und bis -40 °C gefrierfest. Sie sind mikrowellen- und spülmaschinengeeignet. Nicht geeignet sind sie für Herdplatten, Gasflammen und Induktionsfelder.
Kann Borcam-Glas im Ofen platzen?
Borosilikatglas ist sehr unempfindlich gegen Temperaturwechsel, aber nicht unzerstörbar. Typische Ursachen für Brüche sind: die Form direkt aus dem Gefrierfach in den heißen Ofen, kaltes Wasser in die heiße Form, Erhitzen ohne Inhalt, Kontakt mit der Herdplatte oder Kratzer durch Metallschwämme.
Was ist der Unterschied zwischen Borcam und einer normalen Glas-Auflaufform?
Viele günstige Glasformen bestehen aus gehärtetem Kalk-Natron-Glas. Es verträgt Ofenhitze, aber keine schnellen Temperatursprünge. Borcam besteht aus Borosilikatglas, das sich bei Hitze weniger ausdehnt und dadurch Temperaturschocks - etwa vom Kühlschrank in den Ofen - deutlich besser übersteht.
Dürfen die Deckel von Borcam-Formen in den Ofen?
Die Glasdeckel der klassischen Sets sind selbst aus Borosilikatglas und ofenfest. Die farbigen Kunststoffdeckel der Bake&Keep-Linie sind nur zum Aufbewahren gedacht und gehören nicht in den Ofen oder in die Mikrowelle.


























